E10 Boykott – Warum der Benzingipfel scheitern muß

Veröffentlicht am März 8, 2011

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Schuld sind immer die anderen. Die Ölkonzerne, die Politik, die Fahrzeughersteller und natürlich die Verbraucher. Der Schwarze Peter wird momentan so schnell im Kreis herumgereicht, das ihm schon schlecht davon ist. Deshalb muß jetzt – als Höhepunkt des Berliner Karnevals – ein Benzingipfel her, damit endlich Ruhe im Karton ist – jedenfalls haben sich das die Problemminister Röttgen und Brüderle so gedacht. Allerdings wird daraus nichts werden. E10 ist schon jetzt ein Totalausfall.

Die Verbraucher seien angeblich “verunsichert”, weil Fahrzeughersteller und Ölindustrie nicht genug informiert hätten, so das Credo der Politik. Die Verbraucher sind mitnichten verunsichert, sie boykottieren die minderwertige Brühe schlichtweg. Zum einen, weil sie rechnen können und zum zweiten, weil ihnen klar ist, daß ihnen bei Langzeitschäden niemand auch nur einen Cent bezahlen wird.

Höchste Zeit mal einen Blick auf die Fakten zu werfen.

1. Verträglichkeit

Ja, es gibt jede Menge (teils widersprüchliche) Listen, auf denen steht, ob ihr Auto E10 verträgt. Eigentlich könnte es doch so einfach sein. Daß 3-4 Millionen Autos die Plörre nicht vertragen, wissen wir schon, aber jetzt gibt es Hinweise, daß alle übrigen Wagen ebenfalls Probleme bekommen können – Langzeitschäden. Der minderwertige E10 Sprit beschleunigt den Motorverschleiß. Durch den hohen Ethanolanteil nimmt die Wassermenge im Motor zu.
Das Wasser kondensiert aus den Verbrennungsgasen und gelangt ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert. Um Schaden von den Motoren abzuwenden, müssen Autofahrer künftig häufiger zum Ölwechsel in die Werkstatt fahren – was zum Beispiel bei einem BMW jedes Mal gut 200 Euro kostet.

Selbst die Autobauer hüten sich momentan davor,eine verbindliche Empfehlung abzugeben, stattdessen haben sich die Erzrivalen BMW und Mercedes zusammengeschlossen und führen hektisch gemeinsame E10-Tests durch. Das muß man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Unsicherheit ist so groß, daß die Entwicklungsabteilungen, Motorenbauer und Ingenieure von BMW und Mercedes zusammen Tests durchführen müssen, weil sie nicht wissen, welche Schäden der verschnittene Sprit im Motor anrichtet. Die einzige Empfehlung der Herren ist momentan:

In der Zwischenzeit häufiger den Peilstab ziehen. Wenn der einen höheren Ölpegel als bei der vorigen Kontrolle anzeigt, besteht Verdacht auf Ölverdünnung.

Motorschäden durch den Biosprit E10 werden nach Einschätzung des ADAC an den Verbrauchern hängen bleiben. Zwar könne man den Hersteller in die Haftung nehmen, wenn das Modell auf der Unbedenklichkeitsliste der Deutschen Automobil Treuhand steht. Aber der Geschädigte müsse nachweisen, dass die zerstörte Dichtung oder der korrodierte Tank wirklich durch das E10 angerichtet worden ist. Das ist schwierig. “Man muss lückenlos nachweisen, dass man immer richtig getankt hat”. Wer deutsche Gerichte und Versicherungen kennt, weiß, daß der geschädigte Autofahrer hier keine Chance haben wird. E10 ist eine Abwrackprämie ohne Prämie.

2. In anderen Ländern gibt es seit Jahren Ethanol Sprit und die haben doch auch keine Probleme

In Amerika und Australien gibt es tatsächlich schon lange E10, in Brasilien ist sogar E85 aus Zuckerrohr üblich. Aber gibt es da tatsächlich keine Probleme?

Wer sich einmal in amerikanischen Motorforen umsieht, wird schnell erkennen, daß es da in Wirklichkeit jede Menge massive Probleme gibt.

http://www.fueltestkit.com/list_e10_engine_damage.html

http://www.greencarreports.com/blog/1044861_more-ethanol-in-gasoline-bad-for-existing-cars-say-automakers

http://www.daybreakfishing.com/ethanol-fuel.html

http://www2.highlandstoday.com/content/2008/jun/22/problem-ethanol/

http://jalopnik.com/#!5043482/ethanol-in-gasoline-reportedly-wreaking-havoc-on-small-engines

Alu-Komponenten im Kraftstoffsystemen, werden massiv von E10 angegriffen. Die Folge: Aluminiumkorrosion. Benzin kann austreten und Brände verursachen. Betroffen sind vor allem moderne Motoren mit Direkteinspritzung.
Gefährlich sind vor allem Kurzstrecken. Das im Ethanol gebundene Wasser kann mit dem Kraftstoff in das Motorinnere gelangen und das Öl verdünnen. Fährt man im Winter nur kurze Strecken, ohne daß das Öl richtig heiß wird (und das dauert viel länger als Erreichen der Betriebstemperatur des Kühlwassers) kann das ins Öl gelangte Wasser gefrieren, die Ölpumpe blockieren und so den Motor ruinieren. Das Öl bildet mit dem Wasser eine – nur noch eingeschränkt schmierfähige – Emulsion. Extrem erhöhter Verschleiß bis hin zu einem kapitalen Motorschaden ist die Folge. Das Ethanol entzieht außerdem Kunststoffteilen die Weichmacher. Die werden spröde und lösen sich auf. Das betrifft vor allem Dichtungen und Schläuche. Verstopfte Benzinfilter sind dabei noch das geringste Problem.

3. Aber was ist mit Brasilien und den anderen Ländern, die sogar E85 fahren?

Die fahren spezielle “FlexFuel” Autos, die auf Alkohol ausgelegt sind. Jedoch ist auch in Brasilien im E85 Sprit nicht immer ein Ethanol-Anteil von 85%. Je nach Saison und Temperatur besteht auch E85 zu 90% aus Benzin, da sonst bei niedrigen Temperaturen gar kein Start mehr möglich wäre. Viele mußten ihre Autos zusätzlich mit einem kleinen Benzintank ausrüsten, damit der Motor überhaupt anspringt. Natürlich kommt dazu, daß in Brasilien E85 wegen des hohen Mehrverbrauches von bis zu 50% nicht wirklich beliebt bei den Autofahrern ist, aber es ist halt billig. Wer es sich leisten kann tankt auch in Brasilien richtiges Benzin.

Benzinpreise in Brasilien

Daß in Brasilien für diesen angeblich so “klimaneutralen” Sprit Nutzfläche für die Lebensmittelproduktion verloren geht, der Urwald gerodet werden muß und für die Monokulturen der Boden überdüngt wird kommt noch erschwerend dazu. Von dem extremen Wasserverbrauch möchte ich erst gar nicht anfangen.

4. Brot für den Tank

Da Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen wie Getreide, Mais oder Zuckerrüben gewonnen wird, geben Pflanzen bei ihrer Verbrennung zwar nur das zuvor aufgenommene CO2 wieder ab – ein für sich genommen CO2-neutraler Vorgang, bestätigt der VCD. Doch diese Rechnung gehe nur dann auf, wenn für den Anbau der Energiepflanzen keine sensiblen Bereiche wie Wälder und andere natürlichen Ökosysteme in zusätzliches Ackerland verwandelt werden. Und damit ist man schon mitten in der “Brot für den Tank”-Debatte. Denn eine Konzentration auf Energiepflanzen könnte die ohnehin derzeit hohen Lebensmittelpreise weiter ankurbeln.

Die Entscheidung für E10 sei sinnvoll, heißt es dagegen in einer gemeinsamen Pressemittelung des Deutschen Bauernverbandes und des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft. Der Biosprit leiste einen wichtigen Beitrag für mehr Klimaschutz.

Der Bauernverband, Schulter an Schulter mit den Ethanolherstellern CropEnergies (Südzucker) und Vereinigte BioEnergie AG (VERBIO) -natürlich, wer hätte das gedacht.

Längst ist Bioenergie kein Biotop mehr für idealistische Weltverbesserer. Starke Mächte haben die Kontrolle übernommen. Das musste auch Umweltminister Gabriel zugeben:

“Die Förderung von Biosprit, über das Jahr 2009 hinaus, sei auf Bestreben der Bauernvertreter durchgedrückt worden”.

Und Bauernpräsident Sonnleuitner gibt zu:

“Da bietet die Bioethanolproduktion den Landwirten einen wichtigen zusätzlichen Absatzmarkt.”

Da also liegt der Hase im Pfeffer, wieder mal Lobbyarbeit vom Feinsten.

5. Die Ölkonzerne zocken uns wieder mal ab

Nein, ausnahmsweise sind es mal nicht die Ölkonzerne. Die würden E10 und E5 lieber heute als Morgen verschwinden sehen, weil es für sie Mehrkosten und Aufwand verursacht. Der Grund warum die Spritpreise für Super/SuperPlus in letzter Zeit so gestiegen sind, ist nicht der Gier der Ölmagnaten zu zuschreiben, sondern es ist eine reine Verzweiflungstat, die zwei Ursachen hat.

Erstens: Die Regierung hat den Ölkonzernen mit enormen Strafen gedroht, wenn sie nicht genug E10 verkaufen. Weil niemand mit Verstand die Brühe tankt, haben sie versucht den Verbraucher über den Preis zu “motivieren”.

Zweitens: Weil niemand E10 will, verrottet das Zeug (Ablaufdatum nach einigen Wochen – danach muß es teuer entsorgt werden) in den Tanks, während SupePlus, das nur in begrenzten Mengen hergestellt werden kann, gefährlich knapp wird. Auch hier ist die einzige Schraube, an der die Ölindustrie drehen kann, der Preis.

6. Die Biosprit Lüge der Regierung

“Die Förderung des Einsatzes von Biokraftstoffen ist aus klimaschutzpolitischer Sicht keine Option.”

sagt der wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik berits 2008 in einem umfangreichen Gutachten. Im Vergleich zu anderen klimapolitischen Optionen seien Biodiesel und Bioethanol aus deutscher Produktion kostspielig und nutzlos.

Bob Watson, oberster Wissenschaftsberater des Landwirtschaftsministeriums in London, wetterte gegen “perverse Ergebnisse”. Der Anbau von Energiepflanzen wie Mais, Getreide, Raps oder Zuckerrohr zur Treibstoffproduktion drohe den Treibhauseffekt im Zweifelsfall zu verschlimmern. Verbindliche Quoten darüber, wie viel Biosprit dem konventionellen Treibstoff beigemischt werden müsse, seien deswegen rundheraus falsch. Ähnlich äußerte sich auch David King, Watsons Amtsvorgänger, und Großbritanniens Chefwissenschaftler John Beddington.

Immer mehr Forscher machen Front gegen die vermeintlich umweltfreundlichen Kraftstoffe. Einer der profiliertesten Köpfe ist Chemienobelpreisträger Paul Crutzen. Sein Team hatte festgestellt, dass durch zusätzliche Düngung beim Energiepflanzenanbau größere Mengen des Treibhausgases Lachgas (N2O) entstehen. Dadurch falle etwa die Ökobilanz von Raps-Diesel negativ aus: Im Extremfall könnte dessen Treibhauswirkung um 70 Prozent höher liegen als bei konventionellem Treibstoff.

Andere Forscher warnen vor der Abholzung von Waldflächen in Schwellenländern, vor Wassermangel und der Überdüngung von Meeresgebieten infolge des Energiepflanzenanbaus. Dazu kommt die Preisexplosion auf den internationalen Lebensmittelmärkten, die von Marktbeobachtern zu einem guten Teil auch auf die steigende Biospritproduktion zurückgeführt wird. Der Uno-Sonderberichterstatter Jean Ziegler hatte vor zwei Wochen einen fünfjährigen Stopp der Biospritproduktion aus potentiellen Nahrungsmitteln gefordert.

Der – von uns teuer bezahlte – Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung hat also mehrfach auf den völligen Unsinn von “Bio” Sprit hingewiesen und die Politik hat das alles einfach komplett ignoriert und den Mist trotzdem durchgedrückt. Jeder, der trotz unzähliger Gutachten immer noch behauptet, Biosprit sei gut für die Umwelt, ist ein Lobbyist oder Lügner, warscheinlich aber ein verlogener Lobbyist. Solche Leute – vor allem, wenn sie Beamte, Funktionäre oder Politiker sind, müssten sofort von ihren Aufgaben entbunden werden und sich vor Gericht verantworten. Die bewußte andauernde finanzielle Schädigung – vor allem der einkommensschwachen Schichten – ist eine Straftat.

7. Die EU ist schuld

Ist das ganze nicht auf dem Mist in Brüssel gewachsen?
Die Einführung geht auf die Biosprit-Richtlinie der EU von 2009 zurück – allerdings schreibt die EU nur vor, dass bis 2020 zehn Prozent der im Transportsektor verbrauchten Energie erneuerbar sein muss. Wie das Ziel erreicht wird, ist Sache der Regierungen. Jetzt rudert Brüssel sogar zurück :

Das Chaos an den deutschen Zapfsäulen hat sicherlich einige Väter – die EU gehört diesmal nicht dazu, jedenfalls nicht direkt. Sie schreibt den Umstieg auf E10 nicht vor. Entsprechende Berichte in den deutschen Medien entbehrten jeder Grundlage, so der Umweltsprecher der EU-Kommission Joe Hennon.

Zwar gibt es eine EU-Richtlinie über die Qualität von Kraftstoffen, die legt aber lediglich fest, daß in den EU-Staaten ab diesem Jahr Kraftstoffe mit einer Ethanolbeimischung von mehr als fünf Prozent angeboten werden können – aber nicht angeboten werden müssen.
Der Anteil von Ethanol im Kraftstoff darf zur Zeit zwischen null und zehn Prozent liegen. Also ist Deutschland in seiner Entscheidung frei (wenn da nicht diverse Lobbys ihre Interessen durchsetzen würden). Was in der Kraftstoff-Richtlinie allerdings eindeutig vorgeschrieben ist, ist die Rücksichtnahme auf die Besitzer älterer Autos, deren Motoren mit E10 nicht klar kommen.

“Für ältere Autos müssen die Mitgliedsstaaten garantieren, dass weiter Benzin mit einem Ethanolgehalt von maximal fünf Prozent zur Verfügung steht”

Ethanol ist der  Brandbeschleuniger des Welthungers

Bauern, Fahrzeughersteller, die Grünen und die Gutmenschen. Sie alle haben sich am Bioalokohol über Jahre besoffen.

Die einen, weil es so chic ist, die bösen fossile Brennstoffe durch die guten nachwachsenden Rohstoffe zu ersetzen. Die anderen, weil ihnen Milliardensubventionen im Namen der Weltrettung auf die Äcker gespült wurden und die Fahrzeughersteller, weil sie damit auf billige Weise die strengen Abgasvorschriften erfüllen können, statt Geld in die Motorenentwicklung zu stecken.
So, und was jetzt?

E10 weiterhin boykottieren und damit den Politikern Zapfpistole auf die Brust halten!
Das ist der einzige Weg, über die Mineralölgesellschaften entsprechenden Druck auf die Regierung auszuüben.

Wie sagte Howard Beale in dem Film “Network” so schön:

Ihr könnt mich alle am Arsch lecken! Ich laß mir das nicht mehr länger gefallen!

Dieser Film ist 35 Jahre alt!

I told you so…

UPDATE: Benzingipfel gescheitert

Der E10-Wirrwarr geht in eine neue Runde: Auf dem Benzingipfel haben sich Politik und Industrie darauf geeinigt, den umstrittenen Biosprit weiter auszuliefern. Verbraucher sollen aber besser über E10 informiert werden.

Auf dem Benzingipfel hatten Automobil-, Biokraftstoff- und Mineralölwirtschaft sowie Bauern-, Umwelt- und Verbraucherverbände und mehrere Minister über das Debakel bei der E10-Einführung beraten.

Quelle

Noch immer unterstellt die Politik ihren Wählern, dass diese zu dumm oder faul sind, sich über E10 zu informieren. Dabei ist es die Politik, die nicht zuhört und nicht verstanden hat. E10 wurde von den Verbrauchern sorgfältig geprüft, abgewogen, für zu leicht befunden und daher fundiert in breiter Mehrheit abglehnt.

Veröffentlicht unter:I told You so, Täglicher Wahnsinn